Das Balkongarten-Experiment, Folge 1: Wie aus dem Traum Ideen spriessen

Das Balkongarten-Experiment, Folge 1: Wie aus dem Traum Ideen spriessen

Saftig pralle Tomaten aus dem Topf, frischer Basilikum vom Fensterbrett, ein Kompost direkt vor der Küche. So mancher Stadtbewohner träumt vom eigenen Balkongarten, zumal Grünfläche in besiedeltem Raum Mangelware ist. Doch Träume lassen sich nur verwirklichen, wenn man sie anpackt. Der perfekte Vorsatz fürs neue Jahr.

Urban-Gardening ist in. Und wer wünscht sich schon nicht das Gemüse aus dem eigenen Beet, frische Kräuter vom Fensterbrett, oder Äpfel vom eigenen Apfelbaum? Nicht jeder Stadtbewohner hat allerdings einen Garten, geschweige denn einen Balkon auf dem Töpfe, Hochbeete, Spritzkannen und Säcke voller Erde Platz finden. Die meisten müssen sich mit wenig zufrieden geben. Und die Lage des Balkons kann sich auch nicht jeder aussuchen.

So wie ich. Wobei ich immerhin sagen kann, dass meine Wohnung gleich zwei Balkone hat. Der eine ist ein Nordwestbalkon. Mit viel Glück hat er im Sommer etwa anderthalb Sonnenstunden. Der andere, ein Südostbalkon, ist in einen Innenhof gerichtet. Seine Lage ist zwar deutlich besser als die des Nordwestbalkons, doch sie birgt auch Nachteile. Erstens: einen Teil des Tages wird die Sonne von den umliegenden Blöcken abgeschirmt. Dadurch reduziert sich die Sonnenzeit auf etwa sechs Stunden am Tag. Zweitens: wenn sie mal drauf scheint, dann aber Vollgas. Die Pflanzen sind den Strahlen während sechs Stunden schutzlos ausgeliefert.

Was also tun? Den Traum vom Balkongarten begraben? Kommt nicht in Frage! Stattdessen sollte ich mir Gedanken darüber machen, was ich aus der Situation herausholen kann. Die ideale Herausforderung also, um ins neue Jahr zu starten. Der ideale Moment, um ein Balkongarten-Experiment zu starten.

Wie viel Platz habe ich?
Die Lage meiner beiden Balkone habe ich bereits erläutert. Bevor ich nun darüber nachdenke, was ich anpflanzen will und wann ich damit beginne, muss ich vorerst noch herausfinden wie viel Fläche mir zur Verfügung steht. Ist der Balkon gross genug um Töpfe aufzustellen? Wie viele Balkonkistli haben nebeneinander Platz? Wo sind ungenutzte Flächen, wie etwa Wände, die sich für einen sogenannten vertikalen Garten eignen? Ausmessen ist also angesagt. Und das geht so:

Der Zeitaufwand für eine solche Skizze beträgt je nach Genauigkeit und Grösse des Balkons circa 1 – 2 Stunden. Dafür hat man die Situation später direkt vor Augen und kann so besser einschätzen, wie viel Platz tatsächlich zur Verfügung steht. Jetzt wo das getan ist, kann ich mir auch Gedanken darüber machen, was ich auf meinen Balkonen anpflanzen will. Und da es auch hier unzählige Möglichkeiten gibt, habe ich einfach alles auf einer Liste aufgeschrieben, was mir spontan in den Sinn kam.

Als nächstes galt es, die Liste auf die Pflanzen zu reduzieren, die den Bedingungen meiner beiden Balkone standhalten können. Für den Nordwestbalkon eignen sich etwa gewisse schattenbeständige Spinatsorten, Bärlauch oder Brunnenkresse. Salbei, Rosmarin, Oregano und Thymian mögen es warm und karg, die Mittagssonne auf dem Südbalkon macht ihnen also nichts aus. Kapuzinerkresse hingegen mag es halbschattig, aber durchgehend sonnig. Sie ist eher weniger geeignet. Und nicht zuletzt muss ich mich fragen, ob Auberginen ein guter Beginn für die erste Saison eines Balkongartens sind, oder ob ich es doch bei Tomaten und Paprika bewenden lassen soll.

Nach einigem Hin und Her, habe ich mich nun für die folgenden Pflanzen entschieden:

  • Kräuter: Salbei, Rosmarin, Oregano, Thymian, Basilikum, Lavendel, Eisenkraut, Zitronenmelisse, Aloe Vera
  • Gemüse: Spinat, Pflücksalat, Rucola, Radieschen, Küchenzwiebel, Paprika, Paradeiser (kleine Tomaten)
  • Beeren: Erdbeere
  • Knollen: Ingwer
  • Blumen: Wildblumen

Die ersten Entscheidungen sind damit gefällt. Nun heisst es: Gefässe anschleppen, Samen und Stecklinge kaufen und die Balkone auf Vordermann bringen. Ob und wie mir das gelingt, erfahrt ihr in Folge 2.

Quellen: Birgit Lahner (2017): Bio-Gärtnern am Fensterbrett. Wie auf kleinstem Raum das ganze Jahr Gemüse, Kräuter, Salate und Obst wachsen, Löwenzahn Studienverlag Innsbruck .

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