Sachen gabs, die gibts gar nicht (mehr)

Sachen gabs, die gibts gar nicht (mehr)

Noch 1967 füllte das «Bieler Tagblatt» täglich über 20 Seiten mit Inseraten von Firmen aus der Region. Viele von ihnen existieren heute nicht mehr – genauso wenig wie die Produkte und Arbeitsstellen, die sie damals anpriesen.

Text: Jana Tálos, Bilder: BT-Archiv

«Gesucht: Lehrling als Eisenbetonzeichner»; «Zu Verkaufen: Laminierte 3-Saison-Mäntel für 59.50»; «Jetzt auch in Biel: der Lebensmittel-Discountladen von Coop» – solche Inserate füllten im Dezember 1967 täglich zwei Dutzend Seiten im «Bieler Tagblatt» und dem «Seeländer Boten».

Gerade in der Adventszeit priesen Firmen und Geschäfte nicht nur Stellen und Neuheiten an, sondern gaben auch Tipps, was man seinen Liebsten zu Weihnachten schenken könnte. Zum Beispiel eine Abwaschmaschine von Zug, «das schönste Weihnachtsgeschenk für Ihre Frau». Oder eine Minimido, «die kleinste 100 Prozent wasserdichte Uhr der Welt».

Heute findet man solche Geschenktipps nur noch vereinzelt, zumindest aber nicht mehr über mehrere Doppelseiten. Auch die Vielfalt an inserierenden Firmen ist über die Jahrzehnte zurückgegangen. Nicht zuletzt auch, weil viele von ihnen aus Biel und Umgebung verschwunden sind.

EPA, ABM und Co.

Zu den grösseren Inserenten gehörten etwa die beiden Warenhausketten EPA und ABM. Letztere, die 1956 als Tochter von Globus gegründet wurde, eröffnete noch im Jahr der Gründung ihre schweizweit zweite Filiale in Biel. Im BT warb ABM im Dezember 1967 vor allem mit Kleidung, Deko- und Haushaltsartikeln. So etwa am 1. Dezember, an dem das Warenhaus auf einer ganzen Seite Lampenschirme, Schmuckkassetten, Zierdosen und Kerzenständer «zu sympathischen Preisen» feilbot.

Die Billigsegment-Kette EPA folgte ABM anfangs der 60er-Jahre nach Biel in die Marktgasse. Und da man in der EPA ja bekanntlich alles fand, waren auch ihre Anzeigen vielfältig. In der Adventszeit blickten einem über eine ganze Seite kuschelige Teddybären ins Gesicht, die für nur 7.90 jedes Kinderherz erwärmen sollten.

Regelmässige, aber doch etwas kleinere Inserenten waren Möbelhäuser, die damals zuhauf in Biel und Umgebung zu finden waren. Allen voran Möbel Pfister, damals noch am Neumarktplatz angesiedelt. Weitere waren Möbel Perrenoud an der Murtenstrasse, und Möbel Muttscheller an der Bözingenstrasse.

Sie alle erlebten damals ein wirtschaftliches Hoch – heute sind die meisten von ihnen eingegangen, aufgekauft oder aus Biel weggezogen. So zuletzt Möbel Pfister. Das Unternehmen hat seine Filiale an der Zentralstrasse vor einiger Zeit geschlossen. Die EPA gehört seit 2003 zu Coop. 2004 zog an ihrer Stelle ein Coop City-Warenhaus an die Marktgasse. ABM ging 1999 mit Globus an die Migros-Genossenschaft und die Bieler Filiale musste der besser laufenden Globus-Tochter Interio weichen. Heute steht das Geschäft leer, wie viele andere Ladenlokale in Biel.

«Messerscharfe Bügelfalten»

Nicht nur die Warenhäuser, Möbel- und Textilgeschäfte von damals sind heute aus Biel verschwunden. Auch einige der Produkte, die lokale, nationale oder internationale Unternehmen 1967 im «Bieler Tagblatt» anpriesen, sucht man heute wohl vergebens im Regal.

Zum Beispiel den «Jazistor», eine Art elektronische Weckuhr, die laut Hersteller so gar nichts mehr mit einem üblichen Wecker gemein hat. «Sie funktioniert wie ein Transisstorradio, mit dem Unterschied, dass Sie die Batterie erst 1968 wieder ersetzen», heisst es in der Anzeige. Den «Dreischreiben-Saugblocher Roll-o-Matic» gibt es zwar heute noch in modernisierter Form. Ein «praktisches Weihnachtsgeschenk», wie man ihn damals nannte, ist er wahrscheinlich nicht mehr.

Schwierig zu finden sein dürfte auch die sogenannte Koratron-Hose, «die Hose mit der messerscharfen Bügelfalte», wie sie die Firma Iseli in Biel am 8. Dezember für nur 55 Franken anpries. Bügelfalten haben zwar bis heute überlebt. Das sogenannte Koratron-Verfahren, bei dem man die Hose in einem Spezialofen erhitzt und so Harz und Cellulose reagieren lässt, dürfte heute jedoch kaum mehr Anwendung finden.

Eine weitere interessante Trouvaille: Das Inserat in der Ausgabe des 2. Dezember, mit dem Titel «Muss die Frau in steter Angst ihre Tage errechnen?» Nein, sagt der Werbende. Planeton, ein Produkt, dass im Inserat nicht weiter konkretisiert wird, würde sie schützen. Verheiratete und angehende Eheleute, heisst es weiter, erhielten die Aufklärungsschrift «unter vier Augen» mit wertvollen Ratschlägen «gratis und neutral verschlossen» von Dr. Bachmann & Co. in Zürich. Was genau Planeton war, lässt sich nur erahnen.

Pako-Printer und Kopistinnen

Apropos Verschwundenes: Auch einige der Berufe, die 1967 auf dem Stellenmarkt ausgeschrieben waren, gibt es heute nicht mehr. Gesucht wurden Pako-Printerinnen für Schwarzweissarbeiten, Kopistinnen zur Anfertigung von technischen Zeichnungen oder Werkzeugschärfer zum Unterhalt von Schneidwerkzeugen.

Immer noch im Geschäft sind hingegen Serviceangestellte, medizinische Praxisassistenten oder -innen sowie kaufmännische Angestellte. Der Eisenbetonzeichner dürfte heute den meisten unter dem Titel Bautechniker oder Bauingenieur bekannt sein.

Dieser Artikel ist am 15. Dezember im Bieler Tagblatt erschienen und ist Teil der Serie «Zeitreise».

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